Juden in Währing

Erinnerungsspuren – Lebensbilder – Momentaufnahmen

Im Schuljahr 2015/16 beschäftigten sich SchülerInnen des Wahlpflichtfaches Geschichte und Politische Bildung mit Spuren jüdischer Geschichte sowie mit Beispielen des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten in Wien Währing.

Wo lebten im 18. Bezirk Menschen, die von den Nationalsozialisten als Juden verfolgt wurden? Was war ihr Schicksal? Konnten Sie fliehen oder wurden sie Opfer der Shoah?

Gab es Menschen, die Widerstand leisteten? Wie erging es diesen?

Wir haben im Rahmen des Projektes eine Exkursion zum Jüdischen Friedhof Währing gemacht und bei einer historischen Stadtwanderung Orte, die mit oftmals tragischen Ereignissen verbunden waren, besucht.

Die Ergebnisse der Recherchen zum jüdischen Währing und zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus sind hier zusehen. Dabei werden kurze Darstellungen der Schicksale einzelner Personen unter ihrer ehemalige Adresse angeführt, diese wird auf einer Karte sichtbar gemacht. Je nach persönlichem Schicksal sind dabei die folgenden Begriffe zugeordnet:


Beiträge:

Antonie und Eva Schlesinger

Schöffelgasse 69

Antonie Schlesinger, geboren am 03.02.1903 und ihre Tochter Eva Schlesinger, geboren am 15.04.1927 wurden am 26.02.1941 nach Opole in Polen deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Quelle:  Exenberger, Herbert / Koß, Johann / Ungar-Klein, Brigitte: Kündigungsgrund Nichtarier. Die Vertreibung jüdischer Mieter aus den Wiener Gemeindebauten in den Jahren 1938-1939. Wien, 1996, S. 316.

Arpad und Eugenie Aldor

Messerschmidtgasse 46/7

Arpad Aldor, geboren 03.01.1984 und Eugenie Aldor, geboren 07.09.1982, vermutlich ein Ehepaar. Sie wurden beide am 05.03.1941 nach Modliborzyce, in Polen deportiert. Beide überlebten nicht. Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes

David, Ella und Hans Gang, Herbert Goldberger

Staudgasse 80a

David Gang, geboren am 11.02.1892, von Beruf Beamter und Ella Gang, geboren am 5.6.1892 bewohnten eine Gemeindebauwohnung in der Staudgasse 80a. Die letzte bekannte Adresse vor der Deportation des Paares am 11.1.1942 nach Riga war 9., Servitengasse 22. Sie wurden am 11.01.1942 nach Riga deportiert, wo beide starben. Ihr Sohn Hans kehrte nach dem Krieg…

Ella Adler

Währingerstrasse 134/2

Ella Adler, geboren am 20.10.1894 wurde am am 26.10.1941 ins Ghetto Litzmannstadt in Łódź, das zweitgrößte Ghetto nach Warschau deportiert. Sie hat nicht überlebt. Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes http://www.doew.at

Ella und Gustav Vogelhut

Gentzgasse 45/1/13

Gustav Vogelhut, geboren am 28.02.1899, von Beruf Musiker und Ella Vogelhut, geboren am 07.05.1895 bewohnten eine Gemeindewohnung in der Gentzgasse 45. Ihre letzten bekannten Adressen vor ihrer Deportation waren 17., Hernalser Haupstraße 37 und 18., Heilbronner Straße 14. Gustav Vogelhut wurde am 26.10.1939 nach Nisko, in Polen, Ella Vogelhut am 26.2.1941 nach Opole, in Polen…

Ernst, Beatrice und Hermann Waldinger

Anastasius-Grün-Gasse 8

Dr. Ernst Waldinger, geboren am 16.10.1896, von Beruf Schriftsteller bewohnte gemeinsam mit seiner Frau Beatrice, geboren 1896 und seinem Sohn Herrmann, geboren 1923 eine Gemeindewohnung in der Anastasius-Grün-Gasse 8. Ernst Waldinger war bei verschiedenen Verlagen tätig und gewann diverse Preise. 1938 gelang es ihm, mit seiner Familie nach Amerika zu fliehen, wo er Professor für…

Erwin Mikolasch

Messerschmidtgasse 33-37/3/5

Erwin Mikolasch, von Beruf Bankbeamter, wurde am 30.9.1887 geboren und bewohnte eine Gemeindebauwohnung in der Messerschmidtgasse 33-37. Die letzte bekannte Adresse Erwin Mikolaschs vor seinem Tod in Wien am 23.4.1940 war Fugbachgasse 2/5 im 2. Bezirk. Quelle:  Exenberger, Herbert / Koß, Johann / Ungar-Klein, Brigitte: Kündigungsgrund Nichtarier. Die Vertreibung jüdischer Mieter aus den Wiener Gemeindebauten…

Georg, Erna und Ernst Duschinsky, Hildegard Gross

Cottagegasse 39

In diesem Haus lebte die Familie Duschinsky. Georg Duschinsky war als Fell- und Raulederhändler tätig, seine Frau Erna war Opernsängerin. Nach ihrer Scheidung lebten sie an derselben Adresse, allerdings in verschiedenen Wohnungen. Als die Nazis in Österreich die Macht ergriffen, wurde Erna nach Minsk deportiert und dort ermordet. Ihr Mann Georg war zu dieser Zeit…

Gymnasium Haizingergasse

Haizingergasse 37

Anlässlich der Errichtung der Schule in der Haizingergasse 1903 wurde ein Denkmal zu Ehren von Bürgermeister Karl Lueger aufgestellt. Da Lueger Antisemit war, wurde ca. 100 Jahre später wurde im Rahmen eines Schulprojektes folgender Kommentar hinzugefügt: “Dr. Karl Lueger 1897-1910 Bürgermeister von Wien. Die Stadt verdankt ihm die Verwandlung in eine moderne Metropole. Seine Politik…

Henriette Katz

Antonigasse 100/4

Henriette Katz wurde am 1.6.1873 in Wien geboren und bewohnte eine Gemeindebauwohnung in der Antonigasse 100/4. Ihre letzte bekannte Adresse nach der Kündigung ihres Mietvertrages vor ihrer Deportation nach Theresienstadt am 9.10.1942 lautet Seegasse 9, 1090 Wien. Sie starb am 28.8.1943 im KZ Theresienstadt. Quelle: Exenberger, Herbert / Koß, Johann / Ungar-Klein, Brigitte Kündigungsgrund Nichtarier. Die Vertreibung…

Herbert Barber

Kreuzgasse 28   

Herbert Barber, geboren 11.11.1892. Deportationsdatum nicht bekannt. Er starb am 07.12.1941 in Westerbork, einem Durchgangslager in den Niederlanden. Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes

Herbert, Anna, Otto und Kurt Blaukopf

Sternwartestraße 83

Herbert (1890-1960) und Anna (1893-1971) Blaukopf stammten ursprünglich aus Czernowitz (bis 1918 Teil der Habsburgermonarchie, heute Ukraine), sie kamen während des Ersten Weltkrieges mit ihrem Sohn Kurt nach Wien, wo ihr zweiter Sohn Otto geboren wurde. Herbert Blaukopf hatte eine gut gehende Anwaltskanzlei, die Familie lebte in der Sternwartestraße 83. In ihrem kulturell offenen Haus…

Hilda Batscha

Hofstattgasse 2

Hilda Batscha, geboren 12.07.1896 wurde am 26.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und am 05.10.1942 von dort in das Vernichtungslager Treblinka überstellt. Sie hat nicht überlebt. Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes

Hugo Kornitzer

Weimarerstraße 1/12

Hugo Kornitzer, geboren am 30.11.1893, von Beruf Steindrucker, bewohnte eine Gemeindewohnung in der Weimarerstraße 1/12. Er wurde am 17.08.1942 nach Auschwitz deportiert. Quelle:  Exenberger, Herbert / Koß, Johann / Ungar-Klein, Brigitte: Kündigungsgrund Nichtarier. Die Vertreibung jüdischer Mieter aus den Wiener Gemeindebauten in den Jahren 1938-1939. Wien, 1996, S. 258.

Isidor und Therese Feldmann

Gentzgasse 79/1/5  

Isidor Feldmann, geboren am 12.05.1891 und Therese Feldmann, geboren am 29.11.1886, wurden am 09.10.1942 nach Theresienstadt und von dort am 23.10.1944 nach Auschwitz deportiert. Quelle:  Exenberger, Herbert / Koß, Johann / Ungar-Klein, Brigitte: Kündigungsgrund Nichtarier. Die Vertreibung jüdischer Mieter aus den Wiener Gemeindebauten in den Jahren 1938-1939. Wien, 1996, S. 225.

Jakob, Irma und Paul Ehrlich

Weimarerstraße 22

Die Familie Ehrlich lebte in der Weimarer Straße 22. Jakob Ehrlich wurde in Bistritz (heute Tschechien) geboren und schloss sich in frühen Jahren Herzls zionistischer Bewegung an. Er studierte in Wien Jus und war Mitglied in der jüdischen akademischen Gruppe „Ivria“. Er wurde im Ersten Weltkrieg einberufen und war Offizier. Nach dem Krieg war er…

Joel Julian Aleksy

Währingerstrasse 135

Joel Julian Aleksy, geboren am 05.06.1875, war Pharmazeut. Er widersetzte sich einer Hausdurchsuchung, weshalb er am 06.04.1943 von der Gestapo erkennungsdienstlich erfasst wurde. Er wurde deportiert und kam am 25.12.1943 in Auschwitz um. Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes

Malvine und Paul Schuschny

Köhlergasse 1-3

Malvine Schuschny, geboren am 06.02. 1884 und Paul Schuschny, geboren am 23.11.1861, von Beruf Beamter bewohnten gemeinsam eine Gemeindewohnung in der Köhlergasse 1-3. Als letzte Adresse des Paares ist die Lichtensteinstraße im 9. Bezirk bekannt, bevor beide am 27.4.1942 nach Wlodawa deportiert wurden. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Quelle:  Exenberger, Herbert / Koß, Johann /…

Marie Abeles

Pötzleinsdorferstrasse 146

Marie Abeles, geboren 09.01.1884 wurde am 15.10.1941 nach Litzmannstadt in Łódź, dem zweitgrößten Ghetto nach Warschau deportiert. Sie hat nicht überlebt. Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes

Oskar Basz

Gersthoferstrasse 131/3

Oskar Basz, geboren am 04.03.1886, wurde am 09.04.1942 nach Izbica, ein Transitghetto in Polen, deportiert, von welchem aus die meisten Transporte nach Sobibor und Belzec führten. Er hat nicht überlebt. Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes    

Richard Beer-Hofmann

Hasenauerstraße 59 / Ecke Meridianplatz

Richard Beer-Hofmann (1866-1945) gehörte die Villa Beer-Hofmann in der Hasenauerstraße 59 / Ecke Meridianplatz, Wien XVIII und arbeitete als Schriftsteller.

Rosa Setina

Schopenhauerstraße 86/1

Rosa Setina, geboren am 02.10.1881, wurde am 11.01.1942 nach Riga deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Quelle:  Exenberger, Herbert / Koß, Johann / Ungar-Klein, Brigitte: Kündigungsgrund Nichtarier. Die Vertreibung jüdischer Mieter aus den Wiener Gemeindebauten in den Jahren 1938-1939. Wien, 1996, S. 301.

Siegmund Barasz

Schopenhauerstrasse 39/11a

Siegmund Barasz, geboren am 19.07.1876 wurde am 09.04.1942 nach Izbica, ein Transitghetto in Polen deportiert, von welchem aus die meisten Transporte nach Sobibor und Belzec führten. Er hat nicht überlebt. Quelle: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes

Stephan und Elsa Mautner

Weimarerstraße 53

Stephan Mautner wurde 1877 als Sohn eine Textil-Großindustriellen geboren und wuchs in einem sehr künstlerisch geprägtem Haus auf. Er spielte lange mit seinen Geschwistern Theater und bekam privaten Unterricht in Bildhauerei, Fotographie und Malerei. Später erbte er die Textilfabrik seines Vaters und unternahm unter anderem als “kommerzieller Berichterstatter” eine Weltreise mit Kaiserin Elisabeth über Asien nach…