SCHREIBWETTBEWERB 

SCHREIBWETTBEWERB 
(Organisation: Bibliothekarin Mag. Andrea Fössl) 
 
THEMA 
Beziehungen 

 

Preisträgerinnen 
Gewinnerin: Rebekka Aro, 3C 
2. Platz: Philippa Vilsecker, 3B 
3. Platz: Annika Hofmann, 3C 
 
 

Siegertext 

 

                                                                Der Lärm liebte die Stille 
 
                                                                Autorin: Rebekka Aro, 3C 
 

 

 Ja wenn man darüber so nachdenkt, ist das eine sehr schwierige Liebe. 

Der Lärm war halt nun mal der Lärm. Er war groß. Er war sehr stark und robust. Der Lärm hatte eine tiefe Stimme, die sehr rau klang. Sein ganzer Körper war voll mit lauter Haaren, hatte ganz schlimmen Mundgeruch, stinkte fürchterlich nach Achselschweiß und der Roz rinn ihm bis übers Kinn. Er war einfach ein richtig mieser Dreckskerl. Das große Problem kommt aber erst noch: bei jedem Schritt, den der Lärm tat, war es fürchterlich laut. Selbst die Wut hielt sich die Ohren zu, wenn der Lärm den Raum betrat. Aber dem Lärm war das egal. Er mochte seinen Lärm sehr gerne aber in der Gegenwart der Stille wurde er immer ganz leise. Denn er war ganz heimlich in die Stille verliebt. 

Die Stille schwebte über den Boden, ohne nur ein einziges Wort oder ein Geräusch zu machen. Das machte zwar wieder das Wort und das Geräusch wütend, was natürlich wiederrum die Wut großartig fand, aber eigentlich konnte niemand der Stille lange böse sein. 

Die Stille war zierlich gebaut und ganz vorsichtig. Ihre langen, blonden Haare gingen ihr circa bis zu Taille und wirkten wie pures Gold. Im Vergleich zu Lärm war sie ein kleiner Engel, der gerade aus dem Himmel gefallen ist. 

Der Lärm war so unglaublich in die Stille verliebt, dass es ihn immer ganz wütend machte, (die Wut war übrigens sein bester Freund), wenn die Freude sich an die Stille ranmachte. Mit seiner lächerlichen Dauerwelle und seinen perfekt weißen, glänzenden Zähnen. Die Wut machte es aber wiederrum nicht besser. Anstatt den Lärm zu besänftigen, puschte die Wut ihn nur mehr auf. 

Wie oft hatte der Lärm schon versucht der Stille seine Liebe zu gestehen. Er hatte sogar die Liebe und das Wissen persönlich gefragt, aber alle hatten sie zu dieser etwas eigenen Liebe keine Antwort.  

Die Liebe war aber eine richtige Tratschtante und natürlich erzählte sie der Stille es. Die Liebe schmunzelte nur, aber insgeheim freute sie sich. Denn sie fand den Lärm toll. Mit seiner Einstellung und seinem Lärm.  

Sie wollte nicht mehr leise sein. Immer nur die kleine und schüchterne Stille zu sein machte langsam keinen Spaß mehr. Sie wollte wild und laut sein. Ganz laut rascheln, brüllen, schreien, einfach alles. Mit Stühlen wie wild durch die Gegend schmeißen und eines Tages rannte die Stille, so laut wie sie halt nur konnte (das klingt ungefähr so wie ein ganz leises rascheln) zum Lärm. Förmlich schrie, schrie, schrie sie dem Lärm ins Gesicht: „Ich liebe dich“! 

Ein Bisschen später, keiner weiß wie oder wann, kam die angenehme Lautstärke zur Welt. Sie war ein kleines, süßes Baby mit rosigen Bäckchen. Es war so ein süßes Baby, dass sogar dem Hass eine Träne über die Wange floss. Das fand dann wiederrum die Traurigkeit toll, was dann auch die Freude super fand und immer so weiter und so weiter. Die liebe freute sich ab diesem Moment am meisten, denn jeder verliebte sich sofort in die angenehme Lautstärke, denn sie war einfach perfekt. 

 

Und jetzt werdet ihr euch wahrscheinlich fragen was aus der Beziehung zu dem Lärm und Stille geworden ist? Ach, die lebten von nun an, zusammen ein glückliches Leben. 

 

 

 

 

                                                       Am Ende waren die Tage ganz okay  

                                           Eine Geschichte über die Beziehung mit sich selbst. 

                                                        Autorin: Philippa Vilsecker, 3B  

 

Vorwort  

Hallo, ich bin Mirja. Ich bin 13 Jahre alt und wohne in Wien. Ich lebe mit meiner Familie in einem kleinen Haus. Ich habe eine große Schwester namens Lilli. Sie ist meine allerbeste Freundin, sie ist schon 14. Dann gibt es noch meine Mama und meinen Papa und nicht zu vergessen unser Familienkater Boris. Er ist ein sehr fauler Kater und schläft den ganzen Tag. Und das ist eine Geschichte aus meinem Tagebuch.  
 

  1. Februar

Hilfe, Hilfe, Hilfe. Ich fühle mich so schrecklich. Heute in der Schule ist es passiert. Blut . BLUT!!! Ich bin sicher die Erste, die Allererste, die ihre Tage bekommen hat. Ich habe es in der großen Pause bemerkt. Ich wollte nur kurz aufs Klo. Meine Unterhose war voll mit Blut. Ich habe bestimmt die halbe Klopapierrolle um meine Unterhose gewickelt. Trotzdem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass etwas ausläuft, und bin jede Pause wieder aufs Klo gegangen. Ich fühle mich soooooooo schrecklich deshalb. ALLES IST BLÖD!!! Als ich heimgekommen bin, habe ich mich sofort in meinem Zimmer eingeschlossen. Da bin ich seitdem und Mama klopft im fünf Minuten Takt an die Tür… eben schon wieder. Es nervt so sehr. Mama hat mir zwar erklärt, was die Periode ist, aber reden will ich auf keinen Fall……Nein, ich kann nicht darüber reden. 

 

Ahhhhh! Ich wusste nicht, dass dieser Tag noch schlimmer werden könnte. Papa sagt schließlich immer: „Wenn du unten angekommen bist, führt nur noch ein Weg nach oben.“ Aber von vorne. Ich hatte Hunger, also bin ich nach unten gegangen. Mama hat mich mit Fragen gelöchert. Ich habe ihr nichts gesagt. Ich bin ja nicht verrückt. Nach dem Essen habe ich mir eine frische Unterhose geholt. Dann bin ich ins Bad gegangen und habe nach Mamas Binden gesucht. Natürlich habe ich sie nicht gefunden. War doch klar. Ich lies mich auf den Boden fallen und war verzweifelt. Ich kann schlecht in den Supermarkt rennen und Binden kaufen. Was, wenn mich jemand sieht den ich kenne! Was denken die dann bloß. Es wäre schrecklich. Doch wie es der Zufall so will, bin ich beim Aufstehen mit dem Kopf gegen das Regalbrett über mir gekracht. Das hat höllisch wehgetan. AUA! Als ich mir den Kopf rieb, fiel mir auf, dass genau auf dem Regal eine offene Packung Binden lag. Ich wollte sie gerade mitnehmen, da öffnete Mama die Tür. Sie hatte wahrscheinlich den Lärm gehört. Sie sah mich lange an, fiel mir um den Hals und sagte: „Ach Mirja mein Schatz, du kannst mir doch alles sagen.“ Und dann streichelte sie meinen Kopf, als wäre ich ein Baby. „Lass mich einfach in Ruhe!“ schrie ich sie an. Ich rannte aus dem Bad und knallte meine Zimmertüre so fest zu, dass sogar unser Kater Boris erschrocken miaute. Seitdem ist es ganz still in unserem Haus. Eigentlich sollte mein Papa mittlerweile schon aus Berlin (er hat eine Geschäftsreise gemacht) zurückgekommen sein. Und er ist niemals still. So einsam habe ich mich noch nie gefühlt. 

 

Ich habe mein Zimmer seit vier Stunden nicht verlassen. Ich habe sogar in meinem Zimmer zu Abend gegessen. Ich bin schnell in die Küche und habe mir ein Butterbrot gemacht. Wenigstens bin ich nicht wieder Mama in die Arme gelaufen. Ich fühle mich so schlecht. Die nächsten Tage werden bestimmt die schlimmsten meines Lebens.  

 

Gerade hat meine große Schwester angeklopft und wollte mit mir reden. Ich habe sie weggeschickt. Das hat sich so falsch angefühlt. Schließlich habe ich sie sooooooo lieb. Wie soll sie es denn schaffen, dass alles gut wird?! Sie kann auch nicht Zaubern. Ahhhhhh. 

 

  1. März  

Nichts ist besser geworden, obwohl Mama es mir in der Früh bestimmt hundertmal gesagt hat. „Heute wird alles wieder besser“, das hatte ich den ganzen Tag im Ohr. Aber was für ein Blödsinn. Meine Schwester war in der Früh schon weg und ist immer noch unterwegs, die konnte ich also auch nicht fragen. Hätte mich wahrscheinlich auch nicht getraut. Alles ist blöd. Ob wohl schon alle gemerkt haben in der Schule, dass ich meine Tage habe? Wahrscheinlich schon. Ich fühle mich so komisch.  

 

  1. März 

Heute ist so viel Verrücktes passiert, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Also, in der Früh auf dem Weg zur Schule habe ich über die letzten Tage nachgedacht. Dabei war ich so in Gedanken, dass ich irgendwann abrupt stehen geblieben bin und zu Boden gesehen habe. Mein Gesicht spiegelte sich in einer großen Pfütze und ich habe mir wie in einem Spiegel in die Augen gesehen. Dann kam mir ein Gedanke, es war nur ein Wort. Doch das hat meine Welt sofort auf den Kopf gestellt. WARUM??? Mehr nicht, nur warum. Ich sah mir immer noch selbst in die Augen und dachte: „Warum fühle ich mich so schrecklich? Warum denke ich, dass mich die Periode in einen anderen Menschen verwandelt? Und wer bin ich eigentlich?“ Das alles schoss mir wie ein Blitz durch den Kopf.  

Etwas später in der Schule ist dann noch etwas passiert, was mich voll zum Nachdenken gebracht hat. Und zwar bin ich in der Pause mal wieder aufs Klo gegangen, um meine Binde zu wechseln. Heimlich natürlich. Da kam ein anders Mädchen herein. Ich hatte die Binde in der Hand und versuchte sie schnell hinter meinem Rücken zu verstecken. Doch ich war zu langsam, deswegen hat das Mädchen die Binde gesehen. Sie war bestimmt 3 Jahre älter, hatte so eine coole Jeans an und sah einfach toll aus. Es war mir so peinlich. Doch da zeigte das Mädchen schon auf meine Binde und sagte freundlich: „Ich habe meine Periode auch gerade.“ Ich war so erleichtert, wusste nicht was ich antworten sollte. Ich hoffe so sehr, ich habe wenigstens gelächelt. Zum Glück wurde dann direkt eine Kabine frei und ich konnte schnell darin verschwinden. Bei ihr hat das so normal gewirkt. Als würde es einfach dazu gehören. Ich bin echt voll beeindruckt von dem Mädchen. So offen möchte ich auch irgendwann mal darüber sprechen können, das wäre so cool. Und es wäre auch so viel einfacher, wenn man nicht immer heimlich versuchen müsste Binden mit aufs Klo zu nehmen. Irgendwann gelingt es mir hoffentlich. Und bis dahin möchte ich einfach finden, dass die Tage doch eigentlich ganz okay sind. Und damit will ich jetzt beginnen.  

 

  1. März 

Gute Nachricht: Meine Periode ist vorbei. Schlechte Nachricht: Heute war Familienfest. Alle Leute denken sie müssen meinen Körper die ganze Zeit kommentieren. Das hat mal wieder so genervt. Oma sagte: „Iss mehr, du bist ja nur ein Strich in der Landschaft.“ Und Onkel Hans meinte: „Du bist aber groß geworden. Irgendwie bist du in alle Richtungen gewachsen.“ Und dann hat er auch noch gelacht, boah war das doof. Onkel Hans benimmt sich echt immer daneben und merkt es nie. Aber Mama hats gemerkt und mir zugeflüstert: „Du bist ganz normal.“ Das war echt lieb. Und Lilli hat genickt.  

 Jetzt sind wir endlich wieder zuhause und ich liege auf meinem Bett und frage mich, was das wohl alles bedeutet: Normal, groß, dünn, … Ich weiß selbst echt noch lange nicht wer ich bin, aber ich werde es schon noch herausfinden. Und sowieso bin ich einfach ich und das ist voll okay.  

 

                                                             THE BACKSTABBER 
                                                        Autorin: Annika Hofmann, 3C 

Es beginnt mit einem leichten Kribbeln, du spürst es kaum, und es interessiert dich nicht. Bis du plötzlich etwas Warmes, Klebriges deine Haut hinunterlaufen fühlst. Blut. Blut, aber noch immer kein Schmerz. Kein Schmerz, bis du dich umdrehst, und siehst, wer dir das Messer in den Rücken gerammt hat. Diese eine Person, der du alles anvertraut hättest. Diese eine Person, die du nie angelogen hättest. Diese eine Person, von der du es am wenigsten erwartet hättest. Deine Sicht verschwimmt wegen dem Tränenschleier, der sich langsam, aber immer dichter, um deine Augen schließt. Die Welt dreht sich und alles wird schwarz. Du fällst. Immer und immer tiefer. Erinnerungen, die du mit dieser Person zusammen geschaffen hast, fliegen an dir vorbei, gerade so schnell, dass sie dir nochmal einen Stich versetzen können. Irgendwann, als du schon lange das Gefühl an Zeit verloren hast, prallst du am Boden auf. Dein ganzes Selbst zerbricht, so wie dein Vertrauen.